Cellbricks Therapeutics GmbH

Organe aus dem Drucker: Cellbricks Berlin erhält 10-Mio.-Finanzierung

In der Community der Forscher und Entwickler im Bereich der Regenerativen Medizin, also der biologischen Reperatur von Organ-, Knorpel-, Muskel- oder Knochenschäden (um nur einige Felder zu nennen) gäbe es den Witz, dass es nur noch zehn Jahre dauere, bis das Drucken von Organen möglich werde. Und dieser Witz wird bereits seit zwei Jahrzehnten wiederholt. Mit sicherlich auch guter Laune aber ganz im Ernst schaut das Berliner Start-up Cellbricks auf eine erfolgreiche Finanzierungsrunde, die belohnt, was das Team bisher geschafft hat: nämlich eine eigene "Tinte" für dieses Organdrucken zu entwickeln.

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Das Berliner Biotech Cellbricks hat eine Finanzierung von insgesamt rund zehn Mio. Euro gesichert. Sie umfasst eine Seed-Runde über sieben Mio. Euro sowie weitere mehr als drei Mio. Euro an nicht verwässernden Mitteln, die sich derzeit noch „in Verhandlung befinden“, wie das Unternehmen mitteilt. Die Runde wurde von Silicon Roundabout Ventures angeführt, beteiligt sind zudem die Bundesagentur für Sprunginnovationen sowie bestehende Investoren wie ACT Venture Partners.

Die Beteiligung von SPRIND ist dabei mehr als ein finanzieller Beitrag. Bereits 2023 hatte die Agentur im Rahmen einer „Tissue Engineering“-Challenge gezielt Projekte zur Herstellung menschlicher Gewebe gefördert – Cellbricks gehörte zu den ausgewählten Teams. Damit einherging eine Förderung von 500.000 Euro, die an keinerlei Bedingungen oder Beteiligungen geknüpft gewesen sind, sondern den nächsten Entwicklungsschritt auf einfache Weise ermöglichen sollten. Solche Förderformate wirken häufig als Katalysator für anschließende private Finanzierungen und unterstreichen die strategische Bedeutung des Feldes. Und genau das hat die SPRIND-Challenge bewirkt.

Vor dem Drucken ist die Tinte

Inhaltlich setzt Cellbricks auf biofabrizierte, vaskularisierte Gewebeimplantate. Ziel ist es, bei schweren Weichteildefekten – etwa nach Verbrennungen, Traumata oder in der rekonstruktiven Chirurgie – Alternativen zu bisherigen Lösungen wie Transplantaten oder synthetischen Implantaten zu schaffen. Im Fokus steht zunächst ein Programm für Fettgewebe-Implantate, das unter anderem in der Brustrekonstruktion Anwendung finden könnte.

Der Trick von Cellbricks liegt in der Technologie die Organe schichtweise im 3D-Druck aus den Einzelzellbestandteilen aufzubauen. Die bisherige Forschung löste die Herausforderung des Einbettungsmediums und des „Druckerkopfes“, dass dieser die Zellen auch lebenfähig und ungeschädigt auswirft. Zudem wurde eine Plattform entwickelt, die skalierbar ist und nicht pro individuellem Patient eine Art Einzelanfertigung liefert, sondern Gewebestücke in größeren Mengen parallel synthetisieren kann. Die Anwendungen gehen dabei auch über die Transplantation und Rekonstruktion hinaus, auch im Bereich der Organoid-Modellsysteme zur Überprüfung von pharmazeutischen Wirkstoffen ist Cellbricks mit einer Nebentätigkeit aktiv, wie in |transkript 1/26 geschildert.

Mit dem neuen Kapital will das Unternehmen vor allem die präklinische Entwicklung vorantreiben. Geplant sind mehrere Tierstudien sowie die Validierung der Technologie in klinisch relevanten Modellen. Damit soll der Übergang von der Forschung in Richtung klinischer Studien vorbereitet werden – ein entscheidender Schritt in einem Bereich, der bislang oft an der Übertragbarkeit in die Praxis scheitert.

Riesiges Marktwachstum

Vielleicht weil schon so lange ein großes Interesse an der Regenerativen Medizin besteht und bisherige Lösungen allenfalls in Teilbereichen erste Erfolge zeigen, hat sich eine sehr große Nachfrage aufgebaut, die Marktanalysten zu vielleicht etwas zu optimistischen Hochrechnungen treiben. So sieht beispielsweise Market Insights ein jährliches Wachstum von rund 20% im globalen Markt und eine kräftige Versechsfachung von Zahlen aus 2022 auf über 330 Mrd. US-Dollar im Jahr 2032, also nur in einem Jahrzehnt. Langfristig reicht die Vision der Unternehmen im Sektor daher auch weiter: vollständig funktionale, im Labor hergestellte menschliche Organe.

Doch statt auf den einen großen Durchbruch zu setzen, verfolgt Cellbricks einen schrittweisen Ansatz. Im Mittelpunkt stehen lebende Gewebe, die im Körper überleben, sich integrieren und funktional arbeiten – als Voraussetzung für jede weitergehende Anwendung. Die aktuelle Finanzierung markiert damit einen wichtigen Zwischenschritt: weg von der technologischen Machbarkeit, hin zur belastbaren Evidenz. Genau diese Translation dürfte darüber entscheiden, wie schnell aus dem Versprechen der regenerativen Medizin konkrete Therapieoptionen werden. Aber eigentlich kann das nun wirklich nicht noch einmal zehn Jahre oder mehr dauern, so die Hoffnung und ganz ohne Zwinker, Zwinker.

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